Ankommen im Unterwegssein
Es gibt Orte, an denen die Zeit einen anderen Takt annimmt. Orte, an denen Gedanken weiter werden und der Blick sich öffnet. Der Rhein ist ein solcher Ort. Wer ihn vom Wasser aus erlebt, spürt schnell: er schenkt Ruhe, Perspektive und das Gefühl, Teil eines großen, ruhigen Flusses zu sein.
Auf dem Wasser verändert sich die Wahrnehmung. Geräusche werden weicher, Gespräche ruhiger, die Bewegungen langsamer. Das Gleiten über das Wasser wirkt fast meditativ. Eine Auszeit auf dem Wasser ist deshalb mehr als ein Ausflug. Sie ist eine Einladung, dem eigenen Leben für einen Moment beim Fließen zuzusehen. Hier geht es nicht ums Ankommen, sondern ums Unterwegssein.
Unsere Rheinreise startet in Köln, das mit seiner einzigartigen Skyline begeistert, allen voran dem UNESCO-Welterbe Kölner Dom, der sich eindrucksvoll im Rhein spiegelt. Die Rheinpromenade, historische Altstadt und moderne Architektur verschmelzen zu einem Panorama, das urbanes Lebensgefühl und rheinische Lebensfreude perfekt verbindet. Zwischen Köln und Bonn lädt die Apfelroute als Teil der Rheinischen Kulturgärten zu genussvollen Abstechern ein. Flussaufwärts folgt Bonn, einst politische Hauptstadt, heute Kulturmetropole und Geburtsstadt Ludwig van Beethovens. Hier scheint der Rhein Geschichte und Gegenwart miteinander zu verbinden, offen und weit.
Kurz hinter Bonn öffnet sich der Blick auf das Siebengebirge. Die sagenumwobene Landschaft gilt als das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands und begleitet den Fluss auf eindrucksvolle Weise. Ob Königswinter mit dem markanten Drachenfels, den man mit Deutschlands ältester Zahnradbahn erklimmen kann, oder Bad Honnef mit seinen hübschen Fachwerkhäusern, noblen Jugendstilbauten und dem Adenauer-Haus: Hier wird der Rhein zum Naturraum, ohne seine Nähe zur Stadt zu verlieren.

Am eleganten weißen Museumsbau und historischen Bahnhofsgebäude des Arp Museums vorbei überrascht einige Kilometer weiter ein Naturphänomen der besonderen Art: der Geysir von Andernach. Wenn die Wasserfontäne in die Höhe schießt, wird sichtbar, welche Energie im Inneren der Erde verborgen liegt.
Weiter flussaufwärts erreicht man Koblenz, wo Rhein und Mosel am Deutschen Eck zusammenfließen. Die vereinten Strömungen, eingerahmt von der Festung Ehrenbreitstein und der historischen Altstadt, schaffen ein beeindruckendes Panorama.
UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal
Je weiter die Fahrt führt, desto dramatischer wird die Landschaft. Im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal erzählt jede Flussbiegung ihre eigene Geschichte. Steile Felsen ragen auf, mittelalterlichen Burgen thronen hoch über dem Strom, Weinberge ziehen sich die Hänge hinauf.
Braubach empfängt seine Gäste als Wein- und Rosenstadt mit einem besonderen Wahrzeichen. Hoch über den Gassen erhebt sich die Marksburg, die einzige niemals zerstörte Höhenburg am Mittelrhein. Weiter rheinaufwärts blickt Boppard auf über 2.000 Jahre Geschichte zurück. Einst römisches Kastell, später bedeutende Handelsstadt, entfaltet der Ort bis heute seinen historischen Reichtum.
Kamp-Bornhofen ist geprägt von der Tradition der Flößer und Schiffer, die beiden Burgen Liebenstein und Sterrenberg, die sogenannten „feindlichen Brüder“, thronen hoch nahe dem Ort und geben ihm ein markantes Gesicht. Der Rhein zeigt sich hier ruhig und zugleich kraftvoll, ein Spiegel der jahrhundertealten Beziehung zwischen Mensch und Strom.

St. Goarshausen gilt als Heimat der Loreley, jenes sagenumwobenen Felsens, der seit Generationen Dichter, Musiker und Reisende fasziniert. Hoch über dem Fluss erhebt sich das Schiefermassiv, an dem der Rhein besonders schmal und tief erscheint. Der Blick auf St. Goar auf der gegenüberliegenden Rheinseite offenbart eine von Weinbergen umgebene Stadt, bewacht von der mächtigen Burgruine Rheinfels.
Oberwesel, die Stadt der Türme und des Weins, präsentiert sich mit einem der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtbilder am Rhein. Die imposante Stadtmauer mit ihren zahlreichen Türmen umschließt Fachwerkhäuser, Kirchen und Weinstuben. Reben und Geschichte gehen hier eine enge Verbindung ein – der Weinbau ist nicht nur Wirtschaft, sondern Teil der Identität. Weiter rheinaufwärts bei Kaub liegt die Zollburg Pfalzgrafenstein mitten im Strom, wie ein steinernes Schiff im Wasser. Bacharach verkörpert Mittelalter, Wein und Romantik und Trechtingshausen liegt eingebettet zwischen gleich mehreren Burgen: Rheinstein, Reichenstein und Sooneck erzählen von Macht, Schutz und Rivalität vergangener Jahrhunderte.
Willkomen im Rheingau
Weiter rheinaufwärts markiert Bingen den Übergang in eine neue Rheinlandschaft. Hier trifft der Rhein auf die Nahe, der Mäuseturm ragt aus dem Wasser, und die Weinberge kündigen bereits den Rheingau an. Der Blick auf Rüdesheim eröffnet ein Panorama rheinischer Lebensart. Weinberge ziehen sich die Hänge hinauf, die Drosselgasse steht für Geselligkeit und Musik, und der Rhein fließt breit und selbstbewusst vorbei.
Zum Abschluss folgt Oestrich-Winkel, wo der Rhein noch einmal zur Ruhe kommt. Geprägt von traditionsreichem Weinbau, weitläufigen Uferlandschaften und eleganten Weingütern steht der Ort für die stille, kultivierte Seite des Rheingaus – ein würdiger Schlusspunkt einer Reise stromaufwärts, bei der sich der Charakter des Flusses immer wieder neu offenbart hat.
Auszeit-Tipps (rheinaufwärts):
- KölnTourist Personenschiffahrt am Dom
- Rheinische Kulturgärten, Apfelroute
- Bonner Fahrgastschifffahrt
- V-Hotel, Bonn
- Hotel Aigner, Bonn
- Bundeskunsthalle, Bonn
- Siebengebirge
- Hotel Weinhaus Hoff, Bad Honnef
- Saunapark Siebengebirge
- Bad Honnef
- Arp Museum, Rolandseck
- Andernach
- monte mare Hotel, Andernach
- Loreley-Linie
- Oberwesel
- Bingen Rüdesheimer Schifffahrtsgesellschaft